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„Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes“ sollte nicht nur eine Anleitung für Bräute sein! Vielmehr ist es ein Spruch, den wir alle berücksichtigen sollten, um unseren Konsum einzubremsen. Als selbst ernannte Shopping Queen habe ich damit immer noch zu kämpfen.

Portraitfoto Annemarie 2015

Der Mythos vom günstigen Schnäppchen

„Sale -20, -50 und -70%“ – diese Banner und Aufkleber machen es fast unmöglich an einem Geschäft vorbeizugehen. Online Shops bewerben ihren Ausverkauf via Newsletter und Facebook-Ads. Es ist also nicht möglich, sich einfach auszuklinken. Wie extrem uns diese Shopping-Infos beeinflussen habe ich erst bemerkt, als ich beschlossen habe, auf faire Mode umzusteigen.  Ich war fast schon persönlich beleidigt, wie schwer man mir den Abschied von fast fashion machen wollte.

Natürlich hat sich die Marketing-Strategie nicht über Nacht geändert, um mir das Leben schwer zu machen. Ich habe mich nur endlich mit einem Thema beschäftigt, dass schon längst überfällig war. Und so kamen Fragen auf: Warum ist mir vorher nicht aufgefallen wie die Modeindustrie agiert? Wie kann es sein, dass ich so dermaßen blind eingekauft habe?

Gut, wir wissen alle, dass „Made in Bangladesh“ nicht heißt „leiwand war’s für euch zu nähen“.  Trotzdem habe ich es immer vermieden, mich mit dem gesamten Ausmaß zu beschäftigen. Ich dachte mir wohl, dass es leichter ist über dieses Thema nicht zu viel zu wissen. Schließlich würde das bedeuten nicht das kaufen zu können, was groß plakatiert wird und Schnäppchenjagd so gut wie ausgeschlossen ist. Doch warum ist mir das so wichtig? Schließlich geht es doch nur um Kleidungsstücke.

Mehr als nur ein Fetzen

Leider nicht nur: Es geht um Vorstellungen und Erwartungen, die uns verkauft werden. Es geht darum, dass wir einen Flirty und einen Sexy Look im Kleiderschrank haben sollten – außerdem einen Boyfriend und Business Look, um alle Seiten unserer Persönlichkeit abzudecken. Sobald wir uns verändern wollen, kaufen wir uns einen neuen Look und lassen uns die Haare schneiden, anstatt ein Buch zu lesen oder nachzudenken. Ich habe das jahrelang mehr oder weniger erfolgreich praktiziert. Und zwar nicht nur, weil es uns die Werbung sagt. Vielmehr, um andere zu beeindrucken und modisch zu sein.

„Christl, hast aufghaust?“, hat man bereits zu meiner Mutter gesagt, als sie das erste Mal in Nylonstrumpfhosen in die Schule gegangen ist. Das bedeutet so viel, wie: „Endlich machst du dir Gedanken über dein Aussehen!“, oder, „Endlich trägst du das, was wir alle tragen!“. Auch das macht Mode so bedeutend. Sie bestimmt, ob wir Freaks oder Nerds sind, links oder rechts,  Trendsetter oder Katzensitter.

Mode bestimmt auch die Welt in der wir leben. Diese Welt können wir zwar nicht retten, aber wir können den Markt mit unseren Konsumentscheidungen beeinflussen.  Wir entscheiden, ob ein faires Modelabel überleben kann oder große Modekonzerne Umsätze steigern.

Was ich mir wünsche

Ich möchte keinen „Gutmenschen“-Blog, der nur dazu da ist andere auszugrenzen oder zu verurteilen, wenn sie nicht nach denselben Prinzipien handeln. Ich wünsche mir, dass wir voneinander lernen und uns gegenseitig dazu anspornen bessere Menschen zu werden. Das ZEITmagazin hat unlängst gepostet:

Jeder sollte dort ein guter Mensch sein, wo er es sein kann. Die einen essen weniger Fleisch, die anderen haben aber immer ein offenes Ohr für ihre Freunde. Die einen essen nur bio, die anderen erziehen ihre Kinder zu angenehmen Menschen. Es muss gar nicht jeder alles richtig machen. (Elisabeth Raether)

Dieses Zitat ist natürlich keine Rechtfertigung unreflektiert so weiterzuleben wie bisher. Es soll an zwei Dinge erinnern:

  1. Wir sind nicht perfekt, aber ausreichend!
  2. Wir können nicht allen Ansprüchen gerecht werden!

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