Wollpullis: Die Wahrheit hinter der Kuschel-Optik

Für Produkte aus Wolle geben wir gerne mehr Geld aus als sonst. Schließlich handelt es sich um ein unbedenkliches Produkt von Tieren, die den ganzen Tag im Freien grasen. Oder?

Was steckt hinter Wollpullis?

In meinem Outfit-Post über den fairen Wintermantel habe ich bereits kurz angesprochen, wie brutal die australische Schafschur abläuft. PETA hat darüber bereits mehrere Berichte publiziert, trotzdem lebt das idyllische Bild noch immer in unseren Köpfen weiter. Es ist normal, dass Schafe bereits kurz nach der Geburt verstümmelt werden. Es ist normal, dass sie vernachlässigt im Dreck sterben. Genauso wie es Gang und Gebe ist, dass ihnen Körperteile abgeschnitten werden, weil die Schur unter enormen Zeitdruck vorgenommen wird. Mulesing ist eine besonders brutale Vorgehensweise. Dabei werden den Lämmern ohne Betäubung große Teile Fleisch vom Hinterteil geschnitten, damit sich in der Wolle keine Fliegenlarven einnisten können. Weitere Gründe, warum Wolle gar nicht geht, hat PETA in einem kurzen, informativen Artikel veröffentlicht.

Und wenn ich trotzdem Wolle tragen will?

An Wolle wäre ja eigentlich nichts auszusetzen, würden wir Tierschutz ernst nehmen und Schafe nicht schlachten, nur weil sie keine Wolle mehr liefern. Das passiert auch bei Biowolle niemand füttert unproduktive Tiere durch. Auf diese Punkte müsst ihr achten, wenn ihr gute Wolle im Schrank haben wollt:

  • Wolle mit der Kennzeichnung kbT garantiert eine „kontrolliert biologische Tierhaltung“
  • die Herkunftsbezeichnung der Wolle ist wichtig (Australien, Neuseeland, China und Argentinien kann man so gleich ausschließen)
  • Das IVN-best-Siegel ist in diesem Bereich das beste. Normaler Weise ist das GOTS-Siegel unser Hero. Hier müssen aber nur 70% der Rohstoffe aus zertifiziert biologischem Anbau sein. Das heißt im Umkehrschluss, dass 30% der Wolle von Schafen kommen kann, die nicht artgerecht gehalten werden.
  • Vegetarierwolle garantiert, dass die Schafe nicht geschlachtet werden. Bei konventioneller und Bio-Wolle ist es Usus, Schafe, die nicht mehr genügend Wolle geben, zu „entsorgen“.

Ist das nicht teuer?

Ich bin Studentin und kann es mir selbst nicht leisten mehr als 100€ für einen Wollpulli oder einen Cardigan auszugeben. Bei einem kleinen Budget kann man trotzdem auf diese Problematik achten. Diese zwei Pullis habe ich auf kleiderkreisel gefunden. Dort findet man sehr oft außergewöhnliche Second Hand-Teile, die noch weitere 50 Jahre getragen werden können. Auch Kleidertausch-Partys kann ich sehr empfehlen. Allein in Wien gibt es einige davon, u.a. Top Swap und Projekt Garderobe.

Second Hand: Vintage PulloverSecond Hand: Roter Vintage Pullover

Pullover rot/weiß: True Vintage (via kleiderkreisel) / Jeans: Armedangels / Stiefel: Think!


Weiterlesen

  1. Kirsten Brodde, Saubere Sachen. Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt, Ludwig Verlag 2009.
  2. Hinter den Kulissen der Wollindustrie Australien & USA
    http://wolle.peta.de/

  3. Tipp: So wollen wir Wolle
    http://www.animalfair.at/2011/11/so-wollen-wir-wolle-2/


Fotos: Marianne Hofbauer




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