Immer am Hustlen: Warum Millennials nicht genießen können

Dieses Gefühl, wenn man ein Projekt beendet hat und einfach komplett in der Luft hängt. Wenn man mal einen freien Nachmittag hat und sich überlegt, was man mit all dieser Zeit machen soll. Wenn man sich nicht vollständig fühlt, ohne 10 Dinge auf einmal zu machen. Genau dieses Gefühl haben Millennials immer öfter.

Bye bye Zufriedenheit!

Erst vor Kurzem habe ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen. Aber anstatt mich zu freuen, hatte ich nach meiner letzten Prüfung einfach nur Schuldgefühle. Es stand nach langer Zeit kein Test mehr an und ich hatte ein ganzes Wochenende ohne zwingend etwas tun zu müssen. Ich habe mir also überlegt, bei welchen Projekten ich mitmachen hätte können und was ich jetzt alles versäumt habe. Ich hätte schließlich die Welt retten können, aber habe dann doch nur Essen per Lieferservice bestellt!

Side Hustle vs. Vergnügen

Schon vor drei Jahren wurde in Forbes darüber berichtet, dass Millennials immer öfter einen ‚Side Hustle‘ haben. Also eine Tätigkeit neben dem eigentlichen Job, die sie aber ebenso professionell und ehrgeizig verfolgen. Einige engagieren sich freiwillig und hängen sich für eine NGO voll ins Zeug, andere versuchen ihr eigenes Business in die Höhe zu ziehen, wiederum andere nützen die digitalen Möglichkeiten und bloggen. Oder sie tingeln abends und am Wochenende von Poetry Slam zu Poetry Slam. Was auch immer es sein mag: Side Hustles nehmen extrem viel Zeit in Anspruch und werden nicht als Hobby ausgeführt. Sie sind eben nicht zum Spaß da, sondern um sich insgeheim zu profilieren.

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Man möchte zeigen, dass man vielseitig ist und man möchte den Kick spüren. Den Kick bekommt man durch noch mehr Erfolge, mehr Aufmerksamkeit, mehr Herausforderung und stetige Veränderung. Etwas, das Millennials im Job oft fehlt. Nach 1/2 Jahr ist man meistens gut eingearbeitet, nach 1 Jahr läuft es und was kommt dann? Wenn es nicht spannende Projekte regnet, fehlt der Kick — und das hat nichts mit dem Berg an Arbeit zu tun, der sich auf dem Tisch türmen mag. Junge Leute machen sich selbst ihr Projekt, zusätzlich zu Job, Sport und Hobbys.

Erfüllung oder Burn-out?

So ein Side-Hustle klingt erst mal total super, wäre man nicht ständig überfordert und total müde. Natürlich ist es toll, sich ein zweites Standbein aufzubauen und Erfüllung auch abseits des Jobs zu erhalten. Aber ganz ehrlich: Wir sind schon längst nicht mehr am Genießen, sondern nur mehr am Hustlen! Wir eilen von einem Termin zum nächsten und kommen kaum mehr zum Rasten. Sogar für simple Dinge wie Freunde treffen und essen gehen haben wir ein verkürztes Zeitfenster. Wir machen wenig einfach nur zum Spaß, sondern haben immer einen Hintergedanken. Entweder wir machen etwas, weil es uns für den Lebenslauf oder den Job was bringt oder weil wir in anderer Art und Weise in der Zukunft davon profitierten wollen.

Dabei sollten wir einfach dankbar sein. Dankbar, dass wir unsere Stimme erheben dürfen, dass wir Freiheit genießen können und dass wir rumgehen und machen können, was uns gerade in den Sinn kommt. Wir sollten wieder lernen zu genießen und das zu unserem Projekt machen. Also einfach öfter mal in den Prater gehen und ein Langos essen!

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Foto: (c) Pixabay | Pexels



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