Mehr Leistung, mehr Glück: Da geht noch mehr

Das Seminar nächstes Semester kann ich ja auch noch machen, dieses Projekt akzeptiere ich, zwei Mal die Woche Sport ist schon drin, Überstunden gar kein Problem und eine spannende Story schreiben: Check! Mehr Leistung bedeutet auch mehr Glück. Aber für wen eigentlich?

Andere leisten mehr

Wenn ich zurückblicke, bin ich letztes Jahr wieder ein Stückchen weitergekommen. Trotz der großen und kleinen Erfolge ist es für mich sehr schwer, damit zufrieden zu sein. Da ist diese Stimme in meinem Kopf, die mir sagt: „Aber XY macht noch viel mehr, sie hat ihr Studium abgeschlossen, ist auf den Mount Everest gestiegen und jetzt hat sie auch noch ein Pop-Up Café. Dort bäckt sie, um sich vom stressigen Alltag einer Aufdeckungsjournalistin zu erholen.“

Die Menschen in meiner Umgebung kommen mir sehr erfolgreich vor, während ich mich oft so fühle, als wäre ich der letzte Mensch auf der Welt und würde mich täglich in Kuhdung baden. Das Adverb „zu“ kommt täglich in meinem Wortschatz vor: Ich lese zu wenig, interessiere mich zu wenig für Dinge, die man offline machen kann, schreibe zu schlecht, bin zu unsportlich, zu unklug und zu wenig sozial. Ich könnte besser werden, dafür muss ich einfach mehr tun.

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Und so nehme ich mir immer mehr vor, schließlich kann es mir ja nicht schaden! Einen Blog launchen, während ich 30h arbeite, studiere und für ein Start-Up texte? Her damit! Solche Situationen passieren mir immer wieder. Es gibt einfach zu viele Dinge, die mich begeistern und die möchte ich alle machen. Außerdem kann ich schlecht Nein sagen.

Wo ist das Glück?

Ich sage überall zu und möchte alle glücklich machen. Schließlich möchte ich niemandem absagen oder schlechte Leistung bringen. Bald befinde ich mich in einem Strudel aus Deadlines und Aufgaben, denen ich verzweifelt nachlaufe bis ich Wutausbrüche bekomme und unkontrolliert zu weinen beginne. Macht es also glücklich, sich viel aufzuhalsen? Sicher nicht!

Glücklich würde es mich machen, wenn ich mich nicht durch die Erfolgsstories anderer Leute unter Druck setzen lasse. Wenn ich eine Sache konzentriert zu Ende bringen könnte, anstatt tausend Dinge anzufangen. Wenn ich lerne, mit meiner Leistung zufrieden zu sein.

 


Fotos: Pixabay/StockSnap



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