The Green Lie: „Je problematischer ein Produkt, desto mehr Greenwashing benötigt es“

Bei so ziemlich jedem Produkt im Handel wird erfolgreich Greenwashing betrieben. Das heißt, es wird mittels „erfundener“ Siegel oder der eigenen CSR-Abteilung grün gemacht. Damit wird den Kund_innen eingeredet, dass sie beim Kauf des Produktes ein gutes Gewissen haben dürfen. Werner Bootes neuer Film „The Green Lie“ in Zusammenarbeit mit der Journalistin Kathrin Hartmann fordert zum Widerstand gegen die Konzerne auf.

Nachhaltigkeit ist uns wichtig

Das beteuert uns jede_r, vom Coca Cola Geschäftsführer bis hin zum Vorstandsvorsitzenden der RWE AG.

Angeblich kümmern sich die Konzerne um das Umweltproblem und versuchen Nachhaltigkeit aktiv zu leben. Warum sollten sie das auch nicht sagen? Es kommt schließlich sehr gut bei Konsument_innen an. Auf einmal müssen wir unsere Kaufentscheidungen nicht mehr hinterfragen, der Chef des Konzerns kümmert sich ja drum. Tja, schade nur, dass die Tarnung schnell auffliegt und falsche Siegel jeglicher Substanz entbehren.

Die erste Station des Films widmet sich den Produkten im Supermarkt, allen voran denen, die vorgeben, nachhaltiges Palmöl zu unterstützen. Kathrin Hartmann stellt die Frage in den Raum: „Was soll das sein, nachhaltiges Palmöl?“ Das kann es nämlich gar nicht geben, schließlich kommt eine Palmölplantage immer erst zustande, nachdem ein Regenwald abgebrannt wurde. In Indonesien ging das so weit, dass eine halbe Million Menschen wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden musste. Natürlich, wenn so große Mengen Hektar in Brand gesetzt werden, entwickeln sich enorme Rauchschwaden.

Im Film betreten Werner Boote und Kathrin Hartmann gemeinsam mit dem indonesischen Aktivisten Feri Irawan einen vor Kurzem abgebrannten Regenwald. Ein gruseliges Weltuntergangsszenario, bedenkt man, dass dort vor Kurzem noch Orang-Utans und andere Lebewesen beheimatet waren.

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Grüne Lügen sind überall

Boote und Hartmann bereisen weitere Stationen der Welt auf der Suche nach grünen Lügen. Eine davon ist Louisiana, wo sich die Spätfolgen der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe 2010 noch immer auf die Fischerei und die Gesundheit der Menschen auswirken. Früher sind dort täglich 40-50 Kutter Fische an Land geholt worden, mittlerweile ist es einer. Die gefangenen Shrimps sind vorne schwarz gefärbt, weil sie das Öl beim Atmen durch die Kiemen aufnehmen. Von seiten BPs wird hier nichts mehr unternommen, schließlich hat man damals das Öl extra mittels einer fragwürdigen Chemikalie in den Meeresgrund versenkt. Davon das Erdöl wirklich herauszuholen, war nie die Rede.

Wie einfach und schnell sich Konzerne aus der Verantwortung ziehen, zeigt dieser Film eindrucksvoll. Die Rede ist davon, sich nicht mit den Konzernen anzufreunden und Konsens zu finden, sondern sich gegen sie aufzulehnen. Auch der Besuch bei Noam Chomsky macht klar, dass neue Systeme nur erkämpft werden können. Ein Frauenwahlrecht hat es schließlich auch nicht einfach so gegeben.

Wer ist der bessere Öko?

Eine wichtige Frage, die im Film aufgeworfen wird, ist die, wer denn nun etwas tun muss: die Konsument_innen oder die Konzerne? Oft wird diese Entscheidung ganz einfach auf die Konsument_innen abgewälzt, jede_r muss schließich selbst wissen, was er einkauft. Aber warum gibt es diese Entscheidung überhaupt?

Die Möglichkeit unfair einzukaufen, sollte es eigentlich gar nicht geben. Wenn wir uns dann informieren, batteln wir uns gleich mit anderen „Ökos“. Es geht nicht mehr darum, dass wir uns bemühen, fair zu handeln. Vielmehr kritisieren wir die Handlungen Einzelner, denn sie tragen nicht dazu bei, die Welt zu verbessern.

Jeder will fair einkaufen, aber warum gibt es überhaupt die Option unfair einzukaufen und Leute auszubeuten?
– Raj Patel

Kathrin Hartmann hält diese Auffassung ja für ein modernes Märchen. Sie denkt nicht, dass wir durch den Konsum so viel verändern können. Vielmehr sollten wir Widerstand leisten, uns zusammenschließen und die Konzerne zur Rechenschaft ziehen. Ob es nun der eigene Konsum oder gleich der Aufstand ist, wir müssen etwas tun.

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Und es tut noch immer weh.

Nichts zu tun ist keine Lösung, schließlich entziehen uns die Konzerne mit ihrem skrupellosen Verhalten die Lebensgrundlage.



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