Vegane Schuhe: Warum es kein Leder mehr braucht

„Ist das 100% Leder?“ – Wer diese Frage stellt, fragt immer nach der Qualität der Schuhe. Vergessen wird dabei, dass Echtleder schon lange kein Qualitätskriterium mehr ist. Die Situation ist nicht mehr so wie vor 50 Jahren, als es im eigenen Land noch viele Gerbereien und Schuster gab. Früher bezog man Tierhäute von Rindern aus der Umgebung und verarbeitete sie in regionalen Gerbereien zu Leder. Diese Situation ist heute ganz anders.

Schuhe nur für Veganer?!

Schuhe aus alternativen Materialien wie Kautschuk oder Ananasleder sind nicht nur etwas für Vegetarier oder Veganer. Da die Ledergerbung so viele Gefahren für Umwelt und Arbeiter_innen birgt, werden vegane Schuhe für viele Menschen zur besseren Alternative.

In ganz Europa gibt es nur mehr wenige Gerbereien und diejenigen, die übrig bleiben, liefern nur in kleinen Mengen oder spezialisieren sich auf einen Bereich, wie z.B. Leder für Sitzbezüge. Deshalb ist es für die regionale Schuhmarke Waldviertler auch unmöglich, Leder in größeren Mengen und dementsprechender Qualität aus Österreich zu beziehen. In einer Führung durch die Produktionsstraße erfuhr ich, dass dieses Leder aus Deutschland geliefert wird und auch das ist schon sehr vorbildlich!

Die meisten Gerbereien wurden nämlich in Billiglohnländer verlagert.[1] Dort kommen bis zu 200 Chemikalien zum Einsatz, darunter Arsen, Zink und Chrom. Arbeitsstandards gibt es nicht: Die Arbeiter_innen sortieren die Felle mit bloßen Händen und stehen dabei ungeschützt in giftiger Brühe. Aufgrund der fehlenden Standards schützen sich Arbeiter_innen laut Kirsten Brodde nur mit Plastiktüten und Autoschläuchen, die sie zu Handschuhen und Gummistiefeln umfunktionieren. Man muss eigentlich nicht extra erwähnen, dass diese Arbeit zu Allergien, Hautkrankheiten, Asthma und Lungenkrankheiten führt. Doch nicht nur die Menschen leiden, auch die Umwelt erstickt an den giftigen Abflüssen. Es ist durchaus üblich, dass anstelle von Kläranlagen benachbarte Felder genutzt werden, um Abwässer versickern zu lassen.

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Sind „Plastikschuhe“ schlecht für die Füße?

Vegane Schuhe sind noch relativ neu und unbekannt. Viele Konsument_innen fragen daher, ob diese „Plastikschuhe“ nicht üblen Fußgeruch verursachen oder ob man darin nicht viel mehr schwitzt als in herkömmlichen Schuhen? Da ich erst vor einigen Monaten auf vegane Schuhe umgestiegen bin, kann ich nur sagen, dass es absolut keinen Unterschied gibt. Diese Schuhe werden natürlich aus atmungsaktiven Materialien hergestellt und sind genauso fortschrittlich im Design wie Echtleder-Schuhe.

Zudem kommt bei veganen Schuhen kein Chrom zum Einsatz. Bei einer Gerbung werden hauptsächlich Chrom III-Salze verwendet, die stabil gebunden sind.[2] Das wäre nicht unbedingt das Problem, es gibt allerdings noch eine zweite Verbindung, die nicht ganz ungefährlich ist. Chromat ist wesentlich giftiger als Chrom III, krebserregend und außerdem für Kontaktallergien verantwortlich. Dieses giftige Schwermetall kann durch Verunreinigung der Gerbstoffe oder auch durch Oxidation bei der Fertigung entstehen. Laut Brodde kann auch überschüssiges Chromsalz beim Tragen zu Chromat umgebaut werden. Durch seine gute Wasserlöslichkeit kann es durch nasse Schuhe direkt von der Haut absorbiert werden und Ekzeme verursachen. Das Schlimme ist: Für Chromat in jeglicher Bekleidung aus Leder gibt es noch keinen gesetzlichen Grenzwert!

Wer diese Giftstoffe vermeiden möchte, sollte entweder auf vegane Schuhe oder zumindest auf Schuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder umsteigen. Bei dieser Gerbung werden die Tierhäute bis zu 12 Monate in Laugenfässern gereift.

Wo kann ich vegane Schuhe kaufen?

Mittlerweile gibt es viele gute Adressen für vegane Schuhe. Meine Favoriten sind avesu, muso koroni, Avocado Store und kleiderkreisel. Ja, tatsächlich, auf kleiderkreisel habe ich schon einige gute Schnäppchen gefunden!

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Vegane Schuhe, faire Mom Jeans und Print Shirt

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Vegane Schuhe, faire Mom Jeans und Print ShirtT-Shirt: nein.cool / Jeans: ArmedAngels / Schuhe: Matt & Nat / Strumpfhose: old


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  1. Kirsten Brodde, Saubere Sachen. Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt, München 2009.
  2. Einkaufsführer animalfair.at

[1] Brodde, S. 82-83.

[2] Ebenda.


Fotos: Marianne Hofbauer




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