Vom Scheitern und Verändern.

Im Mai habe ich mein Studium abgeschlossen. Endlich, nach 10 Semestern. Zeitgleich habe ich die Aufnahmeprüfung an der FHWien der WKW für den Master Journalismus und neue Medien gemacht. Nach der 1. Runde habe ich mir nicht viel erwartet. Dann kam die E-Mail, dass ich in die 2. Runde eingeladen werde. Anfang Juli dann das Ergebnis: Warteliste. Am nächsten Tag dann doch die Zusage. Das habe ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet.

Aufnahmeprüfungen, ich hasse euch!

Ich habe es nicht erwartet, weil ich Aufnahmeprüfungen einfach hasse und nicht das Gefühl habe, dass ich mich dort gut präsentieren kann. Vermutlich kommt es mir viel schlimmer vor, aber das hat einen Grund. Jahrelang bin ich bei Aufnahmeprüfungen gescheitert und das in einem Zeitraum, als mein Selbstbewusstsein richtig im Keller war. Nach der Matura wollte ich Schauspiel studieren. Dafür hätte ich alles getan und habe es auch — zumindest was damals bei mir im Bereich des Möglichen lag. Habe all meinen Kellnerinnenverdienst in Schauspielunterricht, Zugtickets und Aufnahmegebühren investiert. Um mir diese Dinge leisten zu können, habe ich vieles nicht gemacht. Als meine beste Freundin ein Jahr in London war, habe ich sie zum Beispiel nicht besucht, weil ich gerade an einer Schule in der Endrunde war und jeden 2. Tag zwischen Schauspiel- und Gesangslehrerin hin- und hergepilgert bin.

Gegen Ende des Monats war ich natürlich immer pleite und habe mein restliches eingefrorenes Toastbrot verwertet. Luxusprobleme natürlich, schließlich kann man auf Schauspielunterricht gut verzichten. Für mich war es nach den ersten verhunzten Aufnahmeprüfung aber die einzige Möglichkeit, mich zu verbessern.

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Zwei Mal stand ich dann auch in der Endrunde. Dem gegenüber standen aber 15 andere Tage, an denen man mir gemeine Kommentare ins Gesicht geschleudert hat und ich mir daraufhin noch weniger zugetraut habe, als damals ohnehin schon. Ich habe mich hässlich und fett gefühlt, dumm und unbrauchbar, wie ein Dorftrottel.

Eine Erfahrung fürs Leben?

Scheitern gehört zum Leben dazu. Ich wollte lange nicht wahrhaben, dass man auch das können und lernen muss. Irgendwann habe ich begonnen, Züge zu Aufnahmeprüfungen zu versäumen und Termine abzusagen. Ich habe mir eingeredet, dass ich bald wieder durchstarten werde. Dabei wollte ich mir bloß nicht eingestehen, dass ich einfach gescheitert bin. Dass ich mir nicht vorstellen kann, als Schauspielerin zu leben und ständig vorsprechen gehen zu müssen. Ob es eine Erfahrung fürs Leben war? Bestimmt, aber ob ich daran wirklich gewachsen bin, kann ich (noch) nicht beurteilen. Vermutlich schon, denn ohne all diese Aufnahmeprüfungen hätte ich das Scheitern nie so akzeptieren müssen und ich wäre wahrscheinlich wesentlich feiger. Denn Mut braucht es, um sich auch nach 15 gescheiterten Versuchen wieder vor eine Prüfungskommission zu stellen.

Bis heute bin ich mir nicht zu 100% sicher, ob ich nicht einfach zu früh aufgegeben habe. Schließlich kenne ich genug Leute, die mehr als 20 oder 30 Mal vorgesprochen haben. Die Zeit nach den ganzen Vorsprechen war für mich aber heilsam. Ich konnte mich endlich richtig kennenlernen ohne dauernd auf dem Prüfstand zu stehen und mit anderen punkto Aussehen, Fähigkeiten und Mut konkurrieren zu müssen.

Ich bin damals gescheitert, habe mich wahnsinnig dafür geschämt und habe mich verändert, ohne dass ich es gleich bemerkt habe. Jetzt habe ich doch noch mein Traum-Studium bekommen, aber es ist ein anderes.

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Foto: Katharina Wenty




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